Ghada Karmi

Ghada Karmi

Dr. Ghada Karmi wurde in Jerusalem geboren und flüchtete 1948 während der Nakba mit ihrer Familie nach England. Sie studierte Medizin und promovierte an der Universität London über die Geschichte der arabischen Medizin. Sie war als Ärztin tätig und spezialisierte sich auf Gesundheitsthemen ethnischer Minderheiten und Migranten und Asylbewerber.

Sie ist eine anerkannte Analystin des Nahostkonflikts, eine gefragte Interviewpartnerin und Publizistin, insbesondere  in den englischsprachigen und arabischen Medien, wie etwa The Guardian und al- Ahram Weekly. 1998 kehrte sie zum ersten Mal seit ihrer Flucht besuchsweise in das Katamoun-Viertel in Jerusalem zurück, in dem sie aufgewachsen war. 
 
2002 veröffentlichte sie die autobiographische Erzählung „In Search of Fatima: A Palestinian Story“, in der sie ihre Flucht aus Palästina (bei der sie ihr Kindermädchen Fatima zurücklassen mussten) und ihr Leben im britischen Exil schildert. Sie empfindet sich als eine derjenigen, die noch „Glück“ hatten, da sie nicht in einem Flüchtlingslager landete, sondern eine Kindheit in bescheidenem Wohlstand und mit einer guten Ausbildung erlebte. „Ich erlitt nicht das Trauma, in einem Flüchtlingslager zu leben, doch ich erlitt nichtsdestoweniger die subtileren Folgen des Exils und der Entwurzelung; Folgen, die nicht mit meiner Generation enden. Mein vertrautes Zuhause ist unwiederbringlich verloren, aber mein Land bleibt und ist für mich und zahllose andere die Quelle und das Symbol unseres Ursprungs, unsere frühere und heutige Identität – und unsere Zukunft, falls wir eines Tages die Erlaubnis bekommen, zurückzukehren.“ (In Search of Fatima)
„In Search of Fatima“ erscheint Anfang Juni in einer Neuauflage.
 
Gegenwärtig forscht und lehrt sie am Institut für arabische und islamische Studien der Universität Exeter.
Ghada Karmi war in den letzten Jahren an bedeutenden internationalen Konferenzen über Palästina / Israel beteiligt: Sie leitete eine Sektion der „One State Conference“ in London (17./18 Nov.2007) und sprach am 29.3.2009 bei der Konferenz „One State for Palestine/Israel. A Country for all its citicens?“ in Boston über die Bildung einer internationalen Bewegung zur Förderung der Einstaatenlösung.

2007 erschien ihr Buch „Married to another Man“, ein eindringliches Plädoyer für einen zukünftigen gemeinsamen Staat „Eretz-Palästina“ in Form einer säkularen Demokratie. Dieser Staat könne möglicherweise nur über verschiedene Zwischenschritte, wie eine zeitlich begrenzte räumliche Trennung der Palästinenser und Israelis Gestalt annehmen, sei jedoch langfristig die einzig sinnvolle Lösung des Nahost-Konflikts: „Die Wiedervereinigung von Palästinas verstreuten Überresten in einem Staat für all seine Bewohner, die alten und die neuen, ist der einzige realistische, humane und dauerhafte Weg aus dem Morast. Es ist auch der einzige Weg für die israelische jüdische Gemeinschaft (im Gegensatz zum israelischen Staat) im Nahen Osten zu überleben.“ (Married to another Man).