Basistexte

Israels Kriegspolitik und die Palästinenserfrage

von Tamar Amar-Dahl
Weshalb zieht das israelische Militär immer wieder in den Krieg? Und warum trägt die israelische Gesellschaft die Kriege ihres Staates immer wieder mit, obwohl sie dafür einen hohen Preis zahlt?
 
Es ist offensichtlich: Die israelische Kriegspolitik löst den Konflikt mit den Palästinensern nicht. Vielmehr ist sie Ausdruck und Folge der Unfähigkeit, die Palästinenserfrage – die eigentliche (Ur-)Frage des Zionismus seit Beginn seiner Verwirklichung Anfang des 20. Jahrhunderts – mit diplomatischen Mitteln zu lösen. Tatsächlich steht Israels Staatsverständnis,selbst unter de facto bi-nationalen Umständen im Land ein Nationalstaat für das jüdische Volk zu sein, dem zionistischen Postulat von Sicherheit und Normalisierung des jüdischen Lebens im Wege. Die Geschichte hat zu Genüge gezeigt, dass sich Sicherheit und Normalität für Juden und für Palästinenser im Heiligen Land eben nicht durch den wiederholten Einsatz des Militärs erzielen lassen.
 

 

Kein Ausweg aus „Goliaths Falle“?

MOSHE ZIMMERMANN
zu Tamar Amar-Dahl,
Israels Kriege, Berliner Republik 1/2009
 
Selbst wenn man mit Tamar Amar-Dahls Kritik am israelischen Militarismus einverstanden ist, bleibt ihr Text doch die Antwort auf eine wichtige Frage schuldig: Wie kam es dazu? Woher kommt der „spezifisch israelische Militarismus“? Geht es um einen historischen Zufall, um eine Idiosynkrasie, um einen angeborenen kollektiven jüdischen Charakterfehler – oder gibt es dafür eine historische, kausale Erklärung? Ein Historiker hat ja Ursachenforschung zu betreiben. Wichtiger noch: Nur wer sich mit dieser Frage befasst, kann auch einen konstruktiven Lösungsvorschlag machen.

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